Buchtipps 2015 – Die etwas andere Buchempfehlung

“Hast du das schon gelesen?”, hält Rita mir mal wieder einen 700 Seiten schweren Schmöker unter die Nase. “Das hier ist der 3. Band. Band 1 bis 3 kann ich dir leihen. Ich bin jetzt beim vierten.” 

Dabei müsste sie doch mittlerweile begriffen haben, dass ich nicht zu den Viellesern und Schnelllesern gehöre. Während andere mal eben an einem Wochenende oder gar an einem Tag, einen dicken Wälzer von über 500 Seiten lesen, freue ich mich schon, wenn ich 30 Seiten im Stück schaffe.

Die durchschnittliche Lesegeschwindigkeit beträgt 250 Wörter pro Minute, das entspricht ca. einer Buchseite. Eine Seite in einer Minute – habe ich ausprobiert – schaffe ich. Okay, dann ist meine Lesegeschwindigkeit also durchschnittlich. Aber trotzdem lese ich in einer halben Stunde keine 30 Seiten. Da kann das Buch noch so spannend sein.

Zuhause vertritt meine Katze die Auffassung, sie müsse mich regelmäßig eminent darauf hinweisen, dass es für mich sinnvoller ist, sie anzustarren, statt dieses komische Ding, welches zwar nach Pappkarton riecht, zum Reinsetzen aber offensichtlich ungeeignet ist. Versperrt meine Katze mir ausnahmsweise mal nicht die Sicht, klingelt das Telefon oder das Smartphone signalisiert einen neuen Whatsapp-Empfang. Kurzum, zuhause “quatscht” mir irgendwer oder irgendwas ständig ins Buch.

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Während der 25minütigen Bahnfahrt in Richtung Arbeitsplatz klappt es mit dem Lesen auch nicht so wirklich. Es fahren ja auch andere Leute mit. Die Mitfahrer muss ich zwar nicht angucken, denn dafür habe ich ja ein gutes Buch im Handgepäck, aber die Leute reden. Manche mit ihrem Handy und manche mit anderen Personen. Vielleicht sollte ich mal mit Hilfe von Ohrstöpseln versuchen, die ablenkenden Nebengeräusche verstummen zu lassen, zumal meine Neugier mich oft zum Mithören animiert. Nicht nur einmal hat mich mein stilles Zuhören das rechtzeitige Aussteigen vergessen lassen.

An dem Strand oder am Pool, auf der von mir so geliebten Sonnenliege, hat das genussvolle Lesen der mitgebrachten Urlaubslektüre auch nichts mit Genuss zu tun, wenn sämtliche benachbarten Liegen von Weibern (ich nenne meine Artgenossinnen nur ungern so) belegt sind, die aus ihrer Strandtasche eine ganze Bibliothek zaubern. Prompt fühle ich mich minderbemittelt – minderbemittelt im Lesen.

Dennoch lese ich gern, aber eben nicht so schnell. Andere Frauen stellen zur Deko mittlerweile ihre schönsten Schuhe ins Bücherregal im Wohnzimmer – bei mir stehen dort nach wie vor Bücher – gelesene und ungelesene: Meine kleine Bibliothek.

Elke Heidenreich (für mich seit jeher die Beste aller Literaturkritiker/innnen) gibt einem Buch 60 Seiten lang eine Chance, bevor sie es als “nicht lesenswert” auf ihren “Nein”-Stapel legt. Sie gehört aber zu den Schnellesern. Daher fällt sie in den Literatursendungen den anderen Kritikern auch ständig ins Wort: Das gesprochene Wort dauert ihr einfach zu lange, wie unschwer in ihrem Gespräch mit Marcel Reich-Ranicki* zu hören ist. Hier geht es zu dem Hörbuch-Ausschnitt auf Youtube:

Bei mir hat ein Buch genau 3 Seiten lang die Chance mich zu packen. Packt es mich nicht, landet es je nach Erhaltungszustand entweder zum Weiterverkauf bei booklooker* oder auf dem Flohmarkt. Vor dem Kauf eines Buches suche ich nach Kundenrezensionen im Internet. Bei Amazon werde ich meistens fündig. Erfahrungsgemäß geben mir aber auch die besten Rezensionen und die kurzen Inhaltsangaben auf dem rückwärtigen Buchdeckel oder im Klappentext keine Garantie dafür, dass ich das Buch auch tatsächlich mag. Also kaufe ich Bücher grundsätzlich nur gebraucht* oder als “Mängelexemplare” (Mängelexemplare* portofrei bei www.buecher.de*), denn um womöglich nur drei Seiten zu lesen, sind mir neue Bücher schlichtweg zu teuer.

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Der Vielleser bzw. Schnellleser müsste wohl ständig aus Platzgründen umziehen, würde er alle Bücher behalten wollen. Viele verkaufen daher ihre Bücher, die oft sogar neuwertig sind, über booklooker*. Schnäppchenjägerinnen (wie ich) finden bei booklooker* aktuelle gebrauchte Bücher, die in den Buchhandlungen üblicherweise im Eingangsbereich auf dem Büchertisch “Neu eingetroffen” liegen. Aber auch ältere Bücher, die seit Jahren bzw. Jahrzehnten immer wieder neu aufgelegt werden, sind dort sehr preisgünstig zu bekommen.

“Darf ich mal fragen, was sie da lesen?”, quatscht mir die sonnengebräunte Schöne auf der dritten Liege von links ins Buch. “Der Idiot von Dostojewskij”, erwidere ich barsch. “Ach, das neue Buch* steht auch schon auf meiner Wunschliste.”, säuselt sie kontaktfreudig. “Auch die in Leinen gebundene Ausgabe von 1957?”, schmunzle ich amüsiert.

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