Früher war alles besser: Arztbesuch und Einbauküche

“Ach, was bist du groß geworden” und “Früher war alles besser” sind die Redewendungen, die sich jede junge Generation von den älteren Leuten anhören muss. Und jeder nimmt sich in jungen Jahren vor, diese beiden Sätze nie zu äußern. Doch irgendwann kommt dann doch der Tag, an dem man sich selbst sagen hört,  “Bist Du schon wieder gewachsen?”, gefolgt von “Was macht die Schule?”. Diese Sätze rutschen einfach so aus dem Mund raus, ohne vorher das Kontrollorgan “Gehirn” zu passieren. Und man weiß genau, wenn man diese Sätze äußert ist es soweit: Man wird alt.

Dem nicht genug, fangen auch noch die ersten Wehwehchen an und man muss zum Arzt. Und spätestens dort, entwickelt sich der Gedanke: “Früher war alles besser.” Früher musste man mit Termin höchstens ein Viertelstündchen im Wartezimmer verweilen, heute hockt man trotz Termin eineinhalb Stunden im überfüllten Wartebereich der Arztpraxis. Früher stellte der Arzt seinen Patienten ein großes Sortiment an aktuellen Zeitschriften* zur Verfügung. Von der Boulevardpresse über Mode-* und Wohn-Zeitschriften* bis hin zum Auto-Magazin* war für jeden etwas dabei. Heute kann man sich schon freuen, wenn dort überhaupt irgendetwas zum Lesen liegt, auch wenn es nur ein Ärzteblatt ist oder eine alte Zeitung. Früher hatte der Arzt noch Zeit für seine Patienten, heute bewirkt der fliegende Patientenwechsel im 5-Minuten-Takt, dass man die Diagnose vorsorglich schon mitbringt.

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Bei ganz gewieften Ärzten wartet man eine Dreiviertelstunde im Wartezimmer, um anschließend die gleiche Zeit im Behandlungszimmer auf den Arzt zu warten. An alle Ärzte: Dadurch wird das Warten auch nicht verkürzt, es wird nur ein Stuhl im Wartezimmer frei und im Behandlungsraum vergeht die Wartezeit auch nicht schneller, zumal da erst recht keine Zeitschriften ausliegen.

Klar gibt es auch heute noch Ärzte, denen es wichtig ist, dass sich ihre Patienten wenigstens nicht langweilen, wenn sie schon so lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Man muss sie nur finden. Bevor ich künftig einen Arztermin telefonisch vereinbare, schaue ich mir vorher das Wartezimmer an. Liegen dort genügend interessante neue Zeitschriften, hat der Arzt bei mir im Voraus schon Pluspunkte gesammelt. Die Diagnose habe ich vor dem Arztbesuch ja sowieso schon gegoogelt. Nur ein Rezept kann ich mir nicht selber ausstellen. Und während der ewigen Warterei will ich wenigsten in Zeitschriften blättern, die ich zuhause nicht habe und die auch beim Friseur immer seltener werden – denn auch beim Friseur war früher zeitschriftentechnisch alles besser, da können auch “Kaffee & Keks” nicht konkurrieren. Vielleicht war es aber auch früher schon so, bloß ich habe mich früher nicht darüber aufgeregt.

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Mietwohnung mit Einbauküche

Früher, in den 80er Jahren, war es bei den Wohnungsbaugenossenschaften völlig normal, dass die Mietwohnungen von Seiten der Genossenschaft mit Einbauküchen ausgestattet wurden. Heute muss man als Mieter seine eigene Küche mitbringen. Viele Vermieter auf dem freien Wohnungsmarkt gehen auch immer mehr dazu über, die Wohnungen ohne Einbauküche zu vermieten, da seit einigen Jahren die Auffassung herrscht, eine Einbauküche sei ein normales bewegliches Möbelstück. Diese “Idee” stammt aber eigentlich aus dem Bereich “Immobilienkauf”. Damals wurden Eigentumswohnungen, Reihenhäuser und Einzelhäuser zum Kauf inklusive einer Einbauküche angeboten. Dass man dann auch Grunderwerbsteuer auf die Einbauküche zahlen musste, wurde über Jahrzehnte nicht beachtet. Irgendwann fiel bei den Bauträgern dann endlich mal der Groschen, seitdem fallen Einbauküchen meistens grundsätzlich unter “Eigenleistung”.

Bei Mietobjekten empfinden es hingegen viele Mieter als Zumutung, wenn sie selbst und auf eigene Kosten eine Küchenzeile einbauen müssen, die bei einem Umzug garantiert nicht in die neue Küche passt. Und umgezogen wird heute wesentlich häufiger als früher, da der Arbeitsplatz häufiger gewechselt wird oder der Arbeitgeber den Standort wechselt.

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Verfolgt man regelmäßig “mieten-kaufen-wohnen” auf VOX, kann man sich nur wundern, wie hochgelobt der vom Vermieter angebrachte Fliesenspiegel in der Küche angepriesen wird. Auf einen Fliesenspiegel kann der Mieter gut verzichten, denn altmodischer geht es nun wirklich nicht mehr. Da soll der Mieter nun seine eigene Einbauküche mitbringen und die muss er dann vor so einen doofen Fliesenspiegel stellen. Eine gemusterte oder überstreichbare Vliestapete, die mit Tapetenschutz* bestrichen wird, ist da weitaus moderner und dekorativer.

An alle Vermieter: Auch neutrale weiße Fliesen sind nicht hitverdächtig. Wenn Ihr schon einen Fliesenspiegel liefert, dann liefert doch bitte gleich auch die Küchenzeile mit. Und wenn Ihr unbedingt ohne Einbauküche vermieten wollt, dann lasst bitte die Wand nackt und überlasst die Küchengestaltung somit komplett dem Mieter. Entweder – Oder.

Viele Vermieter scheuen die Kosten für eine Einbauküche, obwohl es sehr günstige Küchen gibt. Auch ein Retro-4-Platten-Herd hat seinen Charme, sofern er neu ist. Preiswerte kleine Einbauküchen* lassen sich mit einer passgenauen Arbeitsplatte leicht verlängern, sodass auch noch Platz für die mietereigene Waschmaschine oder den mietereigenen Geschirrspüler ist. Fehlt es dadurch an Oberschränken, lässt man einfach über dem Herd den Raum frei. Dunstabzugshauben sind meistens so konzipiert, dass sich das Innenleben nicht richtig reinigen lässt, auch darauf kann man gut verzichten, sofern das Kochfeld nicht überbaut ist.

Schauen wir mal, ob ein bischen “Früher” wieder in den Wohnungsmarkt einzieht.

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