Ist eine Kindernähmaschine sinnvoll?

Wenn eine “Kindernähmaschine” etwas mit Schneiderei zu tun haben soll, dann wohl eher mit Geldschneiderei. Ansonsten entzieht sich mir der Sinn einer Nähmaschine, die speziell für Kinder gefertigt wurde.

Kinder können ca. ab dem Alter von 8 Jahren (manche auch früher) den Umgang mit der Nähmaschine lernen, sofern sie am Nähen interessiert sind. Am Anfang sitzt das achtjährige Kind vor der Nähmaschine wie der erwachsene Nähanfänger, der den Umgang mit diesem Gerät noch nicht kennt.

Es gibt nur zwei Unterschiede:

  1. Der Erwachsene kann die schriftliche Bedienungsanleitung besser lesen und umsetzen und
  2. Beim versehendlichen Nähen mit hochgestellten Nähfuß, näht sich das Kind eher durch den Finger als der Erwachsene.
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Die Bedienungsanleitung kann das Kind gemeinsam mit der Mutter lesen und das Fadenaufspulen und -einfädeln erst einmal im Beisein der Mutter üben. Ebenfalls üben sollte das Kind im Beisein eines Erwachsenen das “Gasgeben”: Das normale Fußpedal einer handelsüblichen Nähmaschine hat im Vergleich zu einer “Kindernähmaschine” keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Das Kind muss folglich erst einmal ein Gefühl für das Fußpedal bekommen, d. h. üben.

Und beim Nähen muss das Kind eben erst denken (Nähfuss runter stellen) und dann nähen. Und wenn dann doch die Nähmaschinennadel durch den Finger näht – der Schmerz wird so schnell nicht vergessen und es passiert sicherlich kein zweites Mal.

An einer gebrauchten Nähmaschine für Erwachsene zu nähen ist für das Kind bestimmt spannender, als an einer neuen Kindernähmaschine die ersten Näherfahrungen zu sammeln. Irgendwo im Familien- oder Freundeskreis steht bestimmt eine Nähmaschine rum, die nicht mehr benötigt wird und Fragen kostet nichts. Mit Stickern kann das gute Stück dann ja noch von dem Kind selbst nach eigenen Vorstellungen gepimpt werden, so entsteht dann eine sinnvolle “Kindernähmaschine” mit einem erwachsenen Kern, die das Kind auch noch als Jugendliche/r  gebrauchen kann.

Meine Kindheitserinnerung mit einer “Kindernähmaschine”

Ich muss ungefähr 6 oder 7 Jahre alt gewesen sein, da kam zu Weihnachten ein großes Paket von meinem Großvater aus der damaligen DDR. Die Freude war riesig: eine Nähmaschine nur für mich. Viel kleiner, als die Nähmaschine meiner Mutter, aber dennoch sah sie auf den ersten Blick toll und funktionsfähig aus. Endlich konnte ich aus Stoffresten, die mir meine Mutter zum Spielen gegeben hatte, mit der Nähmaschine Puppenkleidung nähen, dachte ich. Doch die Kindernähmaschine hatte nur einen Oberfaden. Mir war sofort klar, dass das nicht funktionieren konnte.

Bereits seit Jahren hatte ich meiner Mutter, deren Lehrberuf Schneiderin ist, beim Nähen zugesehen. Im Alter von 3 bis 4 Jahren habe ich, glaube ich, den ganzen Tag nichts anderes gemacht, als beim Ausradeln der Schnittmuster, dem Zuschneiden der Stoffe, dem Nähen mit der Nähmaschine und dem Sticken von Knopflöchern zuzusehen, denn draußen spielen durfte ich in unserer Großstadt an der stark befahrenen Straße noch nicht.

Seit Jahren hieß es aber auch: “Nur gucken – nicht anfassen”. Die “heilige” Nähmaschine meiner Mutter blieb “heilig”. Ich wurde zwar älter, aber damit nähen war trotzdem absolut verboten. Nun weiß man als Kind ja bekanntlich was man kann, auch wenn die Eltern meinen, man kann es nicht. Also blieb nur das heimliche Nähen am mütterlichen Heiligtum, stets beseelt mit einem schlechten Gewissen.

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