Retro: Vinyl und Musiktruhe

Als Anfang der 80er Jahre die CD als digitaler Tonträger das Wohnzimmer und den Pkw besiedelte, wurde so mancher Plattenspieler* in den Keller verbannt. Digitale Musik war plötzlich der Ohrenschmaus, den alle wollten: Keine springende Nadel und keine knackenden und knisternden Nebengeräusche. Schallplatten, die oft über 25 Jahre lang gesammelt worden waren, wurden ohne lange Überlegungen zu Tiefstpreisen verhökert – denn schließlich wollte man noch loswerden, was morgen nichts mehr wert ist. So manchem war die Plattensammlung aber auch heilig und sie wurde bis heute weitere 35 Jahre behütet, denn Vinyl bleibt Vinyl.

Heute hat die gute alte CD scheinbar ihre letzten Tage vor sich.  Per Download* werden nur noch die Musiktitel ausgewählt, die man gerne hört – ohne vielleicht lästiges Beiwerk, die ein komplettes Album beinhaltet. Ein 256GB Speicherstick USB* wird so mit der Lieblingsmusik aus den letzten 60 Jahren bespielt und zusätzlich verfügt er noch über genügend Speicherkapazität für eine Sicherungskopie der heimische Festlatte des Computers.

Nun, wird man aus Erfahrung klug?

lp_cover_eingerahmt

LP-Cover als Galerie

Vinyl-Schallplatten werden heute teilweise höchstpreisig an- und verkauft. Die Nachfrage nach alten guten Pressungen mit beinahe neuwertigen Covern scheint nicht abzureißen. Händler, die frühmorgens die Flohmärkte abgrasen, suchen gezielt bei privaten Händlern nach guten Scheiben aus den frühen Siebzigern, als „Krautrock“ noch mit der Hand gespielt wurde und die Cover die reinsten Kunstwerke waren. Es ist nur eine Frage der Zeit, dann wird die Original-CD mit gut erhaltenem Original- inlay sich einer neuen Generation von Liebhabern gegenüber sehen, die den USB-Stick Leid sind und etwas in der Hand halten möchten.

Heute mischen sich in den Wohnräumen der jungen Generation neue moderne Möbel* mit Vintage Möbeln* aus den 50er, 60er und 70er Jahren. Und neben dem Nierentisch lässt sich oftmals auch eine alte Musiktruhe als Retromöbel finden, deren Röhren den Heizungsbedarf minimieren. Das Fernsehgerät mit seinen übertrieben vielen Programmen, die sich meist nur mit den x-fachen Wiederholungen abwechseln, wird zunehmend als lästig empfunden. Und wenn die Musiktruhe keinen Platz findet, dann ist es zumindest ein alter Plattenspieler, auf dem die neuesten Flohmarkterrungenschaften abgespielt werden. Die springende Platte lässt den Vinyl-Liebhaber zwar aus dem Cocktailsessel springen, doch gleichzeitig wirkt die mit Nebengeräuschen belastete analoge Musik nach dem alltäglichen Stress beruhigend. Vinyl bleibt eben Vinyl und ist einfach gemütlich.

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