Rollator Test ? Testberichte Rollatoren ?

Beim Serven durchs Internet sind viele Testberichte über Rollatoren* zu finden. Doch den Rollator, den die einen mit “ausgezeichnet” bewerten, bewerten andere als “mangelhaft”. Kurzum, auch nach dem Lesen qualifizierter Testergebnisse ist man genau so schlau wie vorher.

Fakt ist, die Preisspanne von ca. 60,- EUR bis ca. 400,- EUR ist immens. Aber auch bei Rollatoren gilt, dass teurer nicht zwingend auch besser sein muss, auch wenn häufig das Gegenteil behauptet wird. Maßgeblich ist in erster Linie wo der Rollator zum Einsatz kommen soll. Einen Rollator im Innenbereich der Wohnung und gleichzeitig im Außenbereich nutzen zu wollen, ist völlig absurd. Wer will schon mit verschmutzen Rädern über den Teppich kurven. In einer barrierefreien Seniorenwohnanlage, in der täglich der Linoleumfußboden gereinigt wird, ist es etwas anderes – dort genügt meist ein Rollator für innen und außen. 

Rollatoren für den Außenbereich

Und wieder geht es um das “Wo?”.  Wo kann der Rollator stehen, wenn er gerade nicht genutzt wird? Bietet der Eingangsbereich im möglichst barrierefreien Treppenhaus den Platz den ausgeklappten Rollator zu stellen? Oder besteht vor dem Hauseingang im Außenbereich die Möglichkeit ihn auseinandergeklappt mit einem Fahrradschloss zu sichern? Ist der Weg dorthin ohne Schwierigkeiten zu überwinden?

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Wenn der Rollator sich gut erreichbar auseinandergeklappt unterbringen lässt, ist das Standardmodell der Krankenkassen genial für den Außenbereich. Mit Rezept kostet der Standard-Rollator* meist 10,- EUR Rezeptgebühr und ohne Rezept ist er frei käuflich für ca. 50,-/60,- EUR. Stabil, praktisch, gut: Die Sitzfläche ist aus hartem Kunststoff (ohne Rückengurt!), kann also ruhig naß werden, einmal mit ‘nem Papiertaschentuch drüber und trocken ist der Sitz. Die Bremsen sind nachstellbar. Die Vollgummibereifung erspart lästiges Aufpumpen. Das Einkaufskörbchen wird von der Sitzfläche nicht völlig bedeckt, so dass auch eine größere Einkaufstasche hineinpasst. Bevor man allerdings mit dem Rollator (Modell: Invacare® BANJO P452E/3*) vor der Bordsteinkante mit dem Gedanken “und nun?” steht, macht es Sinn, sich das holländische Video bei YouTube anzusehen, in dem genau gezeigt wird, wie man problemlos den Bürgersteig rauf und runter kommt, denn eine Ankipphilfe* besitzt dieses Modell nicht. Notfalls lässt sich diese aber nachrüsten. Natürlich lässt sich auch dieser Rollator zusammenklappen (erst die Bremsen feststellen, dann Verriegelung lösen und zusammenklappen / Querfalter – Faltung quer zur Fahrtrichtung), allerdings kann er dann nicht alleine stehen. Das kann die Zusammenklapp-Arie schnell zum Drama machen. Theoretisch ist das Zusammenklappen einfach, aber das Ergebnis ist eine wackelige Angelegenheit, die einem schnell zu Fall bringen kann, wenn man selbst nicht auf sicheren Beinen steht. Andererseits kann man aber auch mit einem auseinandergeklappten Rollator mit dem Bus fahren. Kinderwagen werden schließlich auch nicht bei der Busfahrt zusammengeklappt. Wenn man diesen robusten Rollator nie zusammenklappt (vor dem Zusammenklappen muss der Korb abgenommen werden!), macht es Sinn, das Körbchen mit Kabelbindern zusätzlich am Querrohr zu fixieren. Hebt man forsch eine größere Einkaufstasche aus dem Körbchen, kann es sonst sein, dass diese am Korb hängenbleibt und selbigen aus den Haken hebt. Für die Sitzfläche ist im Lieferumfang ein Tablett enthalten, welches auf der Unterseite Noppen hat, die in die dafür gedachten Löcher des Sitzes gesteckt werden um das Tablett zu fixieren. Will man den Rollator lediglich als “Einkaufswagen” nutzen und nie als “Sitzgelegenheit”, bieten sich diese Löcher im Sitz geradezu dazu an einen zusätzlichen Einkaufskorb unterzubringen. Mit in U-Form gebogenem festen Draht lassen sich entsprechende Korbhalterungen, die durch die Löcher gesteckt werden, leicht selber basteln. Soll der Rollator bei Wind und Wetter draußen stehen, sichert man ihn am besten mit einem guten Fahrradschloss (kein Zahlenschloss!). Zudem ist ein Anruf bei der Hausratversicherung sinnvoll, um zu erfragen ob Rolltoren gegen Diebstahl versichert sind. Klar setzt ein Rollator – genau wie ein Fahrrad – Flugrost an, wenn er durchweg draußen steht. Wie oft sieht man Fahrräder, die immer draußen stehen? Oft. Wie oft sieht man Fahrräder, die immer draußen stehen und dabei in eine Plastikplane gehüllt sind? Sehr selten. Warum ist das so? Weil kaum einer Lust dazu hat, sein Fahrrad ständig ein- und auszupacken. Es gibt zwar Fahrradplanen, doch kaum einer benutzt sie. Es gibt auch Rollator-Schutzhauben*. Es gibt sogar Rollator-Boxen*. Wesentlich einfacher ist es jedoch, die Chromteile am neuen Rollator – wie beim neuen Fahrrad – erst einmal mit Rostschutz einzufetten (Fahrradöl/Nähmaschinenöl steht bestimmt noch im Keller), damit ist der Rollator schon mal gegen die Rostspuren einiger Sommerregen weitestgehend gefeit. Im Winter, wenn die Griffe und die Sitzfläche über Nacht vereisen können, lässt sich als Schutz auch einfach eine große blaue Ikea-Tüte über Griffe und Sitz stülpen, denn die eigentlichen Rollator-Schutzhüllen reichen fast bis zum Boden, aber da müssen sie erst einmal hinkommen und das heißt für Sie: regelmäßiges Bücken und Fummeln. Alternativ kann man aber auch “Griffschuhe” für die Rollatorgriffe selber basteln: Alu-Frontscheibenabdeckung*, die vor Wintereinbruch meist sehr preiswert im Discounter angeboten wird, eignet sich hervorragend für diesbezügliche selbstgebastelte “Maßanferigungen” und es bleibt sogar noch genügend übrig für eine Sitzabdeckung oder einen Kälte- und Nässeschutz als Sitzunterlage für die Parkbank. Die neu entstandenen Schnittkanten lassen sich gut mit selbstklebenden Isolierband* einfassen, wenn man nicht zu Schrägband* und Nähmaschine greifen will. Ein Sitzkissen* ist im Lieferumfang dieses Rollators nicht enthalten. Da die Kunststoff-Sitzfläche recht hart ist, lohnt sich die zusätzliche Investition eines Sitzkissens*, wenn man den Rollator häufig als Sitzgelegenheit nutzen will. Ein praktischer Stockhalter gehört hingegen zum Lieferumfang. Alternativ kann in ihm auch ein Stockschirm parken.

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Sofern der Rollator nur zusammengeklappt bei Nichtnutzung im Treppenhaus untergebracht werden kann, aber dennoch täglich im Außenbereich im Gebrauch ist, sollte er leicht faltbar sein. Es sollte sich folglich um einen “Längsfalter” handeln, bei dem sich beim Zusammenklappen die Griffe “küssen” (Längsfalter: Faltung längs zur Fahrtrichtung).  Ebenso ist wichtig, dass er im zusammengeklappten Zustand alleine stehen kann. Renommierte Hersteller, wie DIETZ, RUSSKA und TOPRO entwickeln ihre Rollatoren nicht nur optisch ständig weiter, sondern auch in punkto Gewicht, Anwenderfreundlichkeit und Sicherheit.  Gut sind sie alle, egal, ob der “Taima*” von DIETZ, der “Vital*” von RUSSKA oder der “Olympos*” oder der “Troja 2G*” von TOPRO. Es ist also nur eine Frage des Geschmacks und des Geldbeutels – wie bei einen neuen Auto – welcher leichtgewichtige “Längsfalter” einem am meisten anspricht, denn man sollte seinen täglichen Begleiter auch optisch leiden mögen.

Wie die Entwickler die Rollatoren ständig weiterentwickeln, ist z. B. in dem Video von TOPRO zu sehen, welches bei YouTube zu finden ist. Hier das Video:

Rollatoren für die Wohnung

Es ist nicht das Problem einen geeigneten Rollator für die Wohnung zu finden, sondern es ist eher das Problem, einzusehen, dass man mit Rollator mehr Platz benötigt als ohne. Zu Fuß auf zwei Beinen am großen Sessel vorbei zu gehen, um dahinter eine Schublade zu öffnen, funktionierte jahrelang. Mit Rollator ist plötzlich der Sessel völlig im Weg. Häufig kommt man daher nicht umrum, Möbel umzustellen oder sogar Möbelstücke auszurangieren. Doch halt! Es gibt nicht nur vierrädrige Rollatoren, es gibt auch dreirädrige* und der Sessel kann vielleicht dort bleiben wo er ist. Dennoch ist das Ausmessen der Türen unvermeidbar. Gerade das Badezimmer erweist sich häufig als Rollatorfalle. Ist der Rollator zu breit oder nach vorne zu ausladend, hat man oft keine Chance problemlos ans Waschbecken zu kommen. Daher sind die Maße des Rollators für die Nutzbarheit in der eigenen Wohnung sehr wichtig.

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In den meisten Testergebnissen werden für die Nutzung im Innenbereich die vierrädrigen, teuren, leichtgewichtigen Längsfalter hochgepriesen. Für mich nicht nachvollziehbar, da nicht jeder Längsfalter als Rollator für die Wohnung geeignet ist. Was nützt es denn, wenn man zwar mit Rollator alleine in die Küche kommt, aber nicht in der Lage ist, den Kaffeebecher ins Wohnzimmer zu transportieren, da die meisten vierrädrigen Längsfalter nicht standardmäßig über ein Tablett verfügen und auch nicht für ein Tablett konzipiert sind. Auf den Sitz am Rollator kann man zuhause gut verzichten, aber nicht auf das fahrbare Tablett. Dieses 3füßige Geh-Rad* (Modell: Invacare®, DELTA P429/2*) wird mit Korb und daraufgestecktem Tablett sowie einer praktischen Tasche geliefert, die als zusätzliche Transporthilfe innerhalb der Wohnung gute Dienste leistet. Zudem ist dieser Rollator sehr preisgünstig.

Accessoires für den Rollator

Stockhalter:
Nur teilweise sind die Rollatoren bereits standardmäßig mit Stockhalter* ausgestattet. Dieser läßt sich aber auch problemlos bei jedem Rollator nachrüsten.

Rückengurt:
Anders sieht es beim Rückengurt aus. Nicht alle Rollatoren sind für einen Rückengurt konzipiert. Hier ist es also ratsam, den vom Rollatorhersteller empfohlenen Rückengurt zu wählen oder alternativ auf die Rückenlehne zu verzichten.
- DIETZ “Rückengurt Komfort” für Rollator “Taima”*
- DIETZ “Rückengurt” für Rollator “Taima”*
- TOPRO “Rückengurt mit Polster” für Rollator “Troja” und “Olympos”*

Tablett:
Nicht für jeden Rollator gibt es herstellerseitig ein passendes Tablett. Viele benutzen daher ein rutschfestes Tablett*, welches sie einfach auf die Sitzfläche des Rollators legen. Dieses kann aber dennoch eine wackelige Angelegenheit sein, da das Tablett nicht am Sitz fixiert ist.
- RUSSKA “Tablett” für Rollator “Vital”*
- TOPRO “aufschiebbares Tablett” für “Troja”*

Rollatorschirm
Wer gerade seinen Pkw-Führerschein gemacht hat und nun meint, er könne problemlos mit Anhänger einparken, irrt meist gewaltig. Gleiches gilt für den Regenschirm am Rollator. Fahrpraxis ohne Anhänger bzw. ohne Regenschirm ist erst einmal Voraussetzung. Solange es windstill regnet, macht der Rollatorschirm kein Problem. Aber was passiert, wenn der Wind unter den Schirm fegt? Ist man dann sofort geistesgegenwärtig in der Lage, die Bremsen des Rollators festzustellen und den Schirm abzuspannen? Wer diese Frage mit “Ja” beantworten kann, wird den praktischen Rollatorschirm* sicherlich lieben. Alternativ schützt wetterfeste Kleidung, wie Regenhut*, -Mantel* oder -Cape*, ebenso vor der unangenehmen Nässe.

Improvisieren und zweckentfremden
Häufig sind aber auch kleine Helferlein für den Rollator geeignet, obwohl sie dafür ursprünglich nicht entwickelt wurden, z. B. ein praktischer Handtaschenclip*, der eigentlich für den Kindenwagen oder die Kinderkarre gedacht ist und mit dem sich die Handtasche gesichert auf dem Rollatorsitz transportieren lässt.


Die “Gehhilfen” des Lebens

Größere Schulkinder nutzen das Fahrrad häufig für den Weg zur Schule – das Radfahren haben sie dabei meist lange vor der Schulzeit geübt. Den Schulweg könnten sie auch zu Fuß bewältigen. Fahren geht aber schneller und erpart das Tragen der Schultasche. Grundschüler tragen ihren Schulranzen* auf dem Rücken, doch immer mehr nutzen lieber einen Schultrolley*, den sie wie einen Einkaufstrolley oder Koffertrolley* hinter sich herziehen. Viele Erwachsene erledigen mit dem Rad ihren täglichen Einkauf, auch wenn es sich nur um kurze Wegstrecken handelt. Beim Einkaufen greifen alle Altersgruppen überwiegend auch für den kleinen Einkauf zum Einkaufswagen, anstatt einen der vom Supermarkt bereitsgestellten Einkaufskörbe zu nutzen. Denn kaum einer hat Lust zum Schleppen und das Schieben wird trotz des Eigengewichtes und der Sperrigkeit des Einkaufswagens als “leichter” empfunden. Die ersten Kinderwagen in denen Säuglinge liegen konnten, gingen 1890 in Serie. Heute kann man häufig beobachten, dass junge Mütter ihre Kinder mit dem Buggy zum Einkaufen schieben. Doch nach dem Einkauf läuft das Kleinkind zu Fuß, denn der Buggy ist von den Einkaufstüten bereits besetzt. Der wöchentliche Großeinkauf wird überwiegend mit dem Pkw getätigt. Doch beim Entladen holen viele erst einmal die faltbare Sackkarre aus dem Kofferraum, um den Einkauf zumindest bis zur Haustür zu ziehen oder zu schieben, denn es langt ja schon, wenn die vielen Tüten und Kisten in den 3. Stock getragen werden müssen.

Fahrrad, Schul-, Einkaufs- und Koffertrolley, Einkaufswagen, Kinderwagen, Kinderkarre, Buggy, Pkw und Sackkarre sind allesamt “Tragehilfen” und somit auch “Gehhilfen”, denn ohne Traglast geht es sich einfach besser. Doch keiner würde auf die Idee kommen, sie als “Gehhilfen” zu bezeichnen. Der Rollator wurde hingegen als “Gehhilfe” erfunden und genau deshalb stößt er immer noch bei vielen älteren Menschen auf Ablehnung (siehe: “Rollator” oder “Trotzphase”).

So wie auch der Trolley sich mittlerweile bei allen Altersgruppen als praktische Tragehilfe durchgesetzt hat, wird auch der Rollator irgendwann als Selbstverständlichkeit in jeden Haushalt einziehen, es ist nur eine Frage der Zeit. Wetten?

*) Empfehlungslink / Werbung

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