Schnittmuster für große Größen

Leider muss man immer wieder feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, gute Schnittmuster für große Größen zu finden. Zwar gibt es auch Modezeitschriften für große Größen mit Schnittmusterbögen zum Ausradeln, aber beim Durchblättern stellt man meistens fest, dass die abgebildeten Outfits häufig nicht dem eigenen Geschmack entsprechen oder an der derzeitigen Mode vorbeigehen.

Der bekannte Modedesigner, Guido Maria Kretschmer, zeigt in seinem Buch Anziehungskraft: Stil kennt keine Größe* eigentlich wie es gehen kann, schwierig ist es allerdings, entsprechende Schnittmuster zu finden.

Begreifen muss man es daher nicht, warum Mode in Übergrößen häufig bieder wirkt, zumal – betrachtet man mal die Leute auf der Straße – es kaum Menschen gibt, die annähernd so schlank sind, wie die Models auf den Laufstegen der Modenschauen, die man daher eher als Modell bezeichnen müsste.

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Da könnte der Eindruck entstehen, die Verantwortlichen für den Schnittmusterentwurf für große Größen hätten die Spielzeugindustrie zum Vorbild. Was gibt es doch für tolle Outfits für die superschlanken Barbiepuppen. Auch die Puppenkleidung für normale Baby-Puppen ist der Mode für Säuglinge und Kleinkinder angeglichen. Viele Schnittmuster zum Selbernähen der Puppenkleidung sind daher ebenfalls zu finden. Dabei ist das Schneiderhandwerk bei einer normalen Puppe viel besser umsetzbar als das Nähen von Kleidung für Barbie oder Ken, welches von Handling her, die reinste Fummelarbeit ist.

Auch die Damenmode in großen Größen könnte wesentlich vielseitiger entworfen werden, denn das Mehr an Fläche lässt eigentlich viel mehr Raum für Gestaltung. Und warum werden nun vollschlanke Frauen von den bekannten Modedesignern nicht berücksichtigt? Die Antwort ist ganz einfach: Bei einem dürren Mannequin sieht der Zuschauer das Kleidungsstück und nicht die Frau. Würde hingegen eine vollschlanke Frau über den Laufsteg stolzieren, würde der Zuschauer nicht die Bekleidung sehen sondern die Frau. Logisch, dass da kein Designer wirklich Interesse dran hat.

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Daher sehen z. B. Blazer, die in den Damenabteilungen der Kaufhäuser in den Größen 48 bis 58 angeboten werden irgendwie immer gleich aus: Der Abnäher für die Oberweite sitzt überall, nur nicht dort wo der Busen sitzt, die Taille wird häufig ignoriert oder sie sitzt zu hoch und die Länge des Blazers lässt die Frau voluminöser wirken als sie tatsächlich ist. Also bleibt nur der Kauf in einer teuren Boutique und das Selbernähen. Aber wie – ohne Schnittmuster?

Der Weg in die Herrenabteilung kann da manchmal hilfreich sein, um zu prüfen, ob ein Herren-Jackett (Sakko) von der Länge her besser aussehen würde. Ich kaufe “Blazer” nur noch in der Herrenabteilung, denn selbst bei meiner Körperlänge von 173 cm (Gewicht wird nicht verraten) sind mir die Ärmel bei Damenblazern immer zu kurz und das mit Busen und Taille hatte ich schon. Meistens nähe ich dann andere Knöpfe an, kürze die Ärmel oder schlage sie einfach nach innen oder außen um. Dass der “Blazer” falsch herum geknöpft ist, merkt kein Mensch. Und ja, in der Herrenabteilung werde ich jedesmal komisch angeguckt.

Am besten man kopiert seine gut sitzenden Lieblingsklamotten*. Bevor ein abgetragenes Lieblingsstück in der Altkleidersammlung landet, macht es durchaus Sinn, es komplett aufzutrennen und als Schnittmuster für ein neues Lieblingsstück zu verwenden. Das Auftrennen macht zwar viel Mühe, dafür kann man aber sicher sein, ein gutes Schnittmuster zu erhalten.

Häufig sitzt das Selbstgenähte nicht so, wie man es sich vorgestellt hat, obwohl die richtige Größe gewählt wurde. Jede Figur ist anders und entspricht nur selten den Standardmaßen, die in den Größentabellen für die Oberweite, Taille, Hüfte, Armlänge, etc., vorgegeben sind. Doch wie ändert man nun ein Schnittmuster auf die eigenen Maße? Sarah Veblen gibt mit ihrem Buch “Der große Fotoguide für die perfekte Passform*” der Hobbyschneiderin eine hervorragende Anleitung zur Schnittänderung für maßgeschneiderte Kleidung.

So, und nun zu den Schnittmustern für mollige Frauen. Es ist ja nicht so, dass es gar keine gibt, es gibt nur zu wenig. Aber die besten gibt es – wie immer – von Burda. Und wer noch nach preiswerten Stoffen sucht – auch Markenstoffen* – wird auf www.stoffe.de* fündig.

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