Shop in Shop: Die unsinnigen Systeme der Kaufhäuser

Wenn die alteingesessenen Kaufhäuser der Großstädte sich zu reinen Shop-in-Shop Systemen entwickeln, muss man sich nicht wundern, dass die Rechnung nicht aufgeht. Sicherlich gibt es viele Frauen, die ausschließlich Kleidung einer Marke kaufen, aber die bevorzugen überwiegend die kleine Boutique mit individueller Beratung und nicht die “Kaufhausumgebung”. So haben sich das KaDeWe in Berlin und das Alsterhaus in Hamburg zu reinen Touristenattraktionen entwickelt: Man geht hinein um zu gucken und kauft zur Erinnerung 150 g Bonbons. Und das bereits seit Jahren.

In Hamburg bei Karstadt in der Mönckebergstraße trifft man beim Haupteingang auf eine große Parfümerie-Abteilung. Junge hübsche gut geschminkte Verkäuferinnen stehen sich mit Dauergrinsen den lieben langen Tag die Beine in den Bauch. Jede ist bemüht die Parfüm- und Kosmetikmarke, die sie zu vertreten hat, bestens anzupreisen. Shop-in-Shop – Standflächen wie auf dem Wochenmarkt, nur großflächig überdacht und im modernen Design. Und dann wundert sich Karstadt, dass die potentielle Kundschaft, die täglich en masse durch das Erdgeschoss strömt, im Vorbeigehen nur guckt, um das Gucken in der Europa Passage und im Alsterhaus am Jungfernstieg fortzusetzen.  Letztendlich wird dann im ALEX im historischen Alsterpavillion ein Außenplatz erobert und in aller Ruhe ein großer Eisbecher vernascht, um die vorübergehenden Leute zu begucken und die – meist “wichtigen” – Gespräche am Nachbartisch zu verfolgen oder den Blasen an den Füßen etwas Ruhe zu gönnen. Geplant war aber eine Shopping-Tour durch die Hamburger Innenstand, doch die Einzigen, die mit Umsatz beglückt wurden, waren die kostenpflichtigen Toiletten  und der Sitzplatz im ALEX.

Könnte man hingegen in Ruhe an den Parfum-Testern schnuppern, ohne gleich von einer Verkäuferin zugetextet zu werden, würde ein Kauf auch vonstattengehen. Wären die Lippenstifte nach Farben sortiert und nicht nach Marken … – aber was rege ich mich auf. Die Shop-in-Shop-Konzepte, die von völlig überbezahlten wenigen Menschen gemacht wurden, sind nicht das Schwarze unter dem Nagel wert, denn der Kunde ist nicht blöd und merkt, dass das einst gute Kaufhaus so zum Einkaufscenter wird, in das er ja gerade nicht wollte. Es fehlen nur die Zwischenwände. Dafür kann man um jeden einzelnen Shop drumherum gehen. Für jenügend Platz wurde gesorgt. Nur dumm, wenn da kaum einer geht. Doch dass die Shop-in-Shop Mentalität mancher Kaufhäuser bzw. Kaufhausketten nur in die Hose gehen kann ist seit langem bekannt und wahrscheinlich auch gewollt.

Dabei bräuchten Alsterhaus, KaDeWe und Karstadt die Hosen aller vohandenen hochwertigen Edel-Marken nur an eine Kleiderstange hängen und die Röcke aller Marken an eine andere Kleiderstange. Das wäre Kaufhaus. Das wäre das, was der Kunde will. Und es wären dann dennoch Premium-Häuser, aufgrund der hochwertigen Marken. – Aber mich fragt ja keiner.

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