Vintage: Handtaschen aus Ur-Omas Zeiten

Noch gibt es sie: Schöne alte Original-Lederhandtaschen, die die heutigen Ur-Großmütter und Großmütter damals für besondere Anlässe („Nur für Gut“) gekauft und in Seidenpapier verpackt im Kleiderschrank gut behütet haben. Und sie sind heute wieder aktuell.  „Wie neu“ und „ungebraucht“ liest es sich da oft bei Händlern oder Privatverkäufern im Internet. Und wenn frau Glück hat, kann sie das eine oder andere Schnäppchen im Internet oder auf dem Flohmarkt machen. Zwar fragt sich die Frau von heute, wie sie mit „so wenig Tasche“ auskommen soll, denn normale Dinge – wie die 1,5-Liter-Flasche Sprudelwasser – passen nicht hinein. Frau ist also wieder minimalistisch unterwegs, wie einst in den 80er Jahren, als die Handtäschchen im Miniformat den täglichen Einkauf begleiteten und zudem noch quer getragen wurden (crossover). So hatte frau beim Einkaufen die Hände frei für den zusätzlichen Einkaufskorb und in der Disco ihre Habseligkeiten eng am Körper.

Ledertaschen aus den 50er und 60er Jahren

Auf der Suche nach Ledertaschen aus den 50er und 60er Jahren ist den jungen Frauen, die zu der Zeit noch nicht einmal geplant waren, meistens nicht bekannt, dass die Taschen noch kein Hinweisschild im Inneren enthielten mit der heute üblichen und meist verwendeten Aufschrift „Echt Leder“.

Auch damals war alles, was wie Leder aussah, nicht tatsächlich aus echtem Leder, denn bereits in den 30er/40er Jahren gab es eine Art “Kunstleder”, welches die Handtaschen in der “schlechten Zeit” erschwinglich machte. Auf den ersten Blick ließen sich die Taschen von den Handtaschen aus Echtleder kaum unterscheiden. Ebenso waren in der Nachkriegszeit bis in die 60er Jahre hinein “Kunstleder”-Taschen neben hochwertigen Handtaschen aus echtem Leder auf dem Markt, die von der Verarbeitung her den echtledernen in Nichts nachstanden. Erstaunlicher Weise sind noch heute viele der alten Kunstledertaschen in einem guten Zustand, da damals wohl noch keine “Weichmacher” verwendet wurden, die den Kunststoff mit der Zeit zersetzen (vergleiche klebrig werdende Tupper-Ware).

Ledertaschen und Kunstledertaschen aus den 70er Jahren

Anfang der 70er Jahre wurden dann “Skai”-Handtaschen regelrecht modern. Ich erinnere mich noch an meine Großtante Frieda, die damals stolz ihre neue Handtasche präsentierte, mit der Bemerkung: „Das ist echt >Skai<, die ist abwaschbar.“  Meine Mutter mokierte sich dabei still und leise: „Skai? – Das ist nichts anderes als Plastik. Leder bleibt Leder.“  So gab es damals Handtaschen aus echtem Krokodil- oder Schlangenleder, Rind-  oder Nappaleder, vereinzelt auch Wildleder, ebenso wie gut nachgemachte aus Skai (Kunstleder). Die Kunstledertasche kostete im Gegensatz zur Reptilleder-Tasche kein Vermögen und gab außerdem das Gefühl etwas für den Tierschutz getan zu haben. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

vintage_handtasche_bodenbruch

Bodenbruch: Die Verstärkung aus Pappe im Inneren der Handtasche ist am Boden gebrochen. Das Wildleder ist an der Stelle blank geworden, aber nicht brüchig.

Auch die alten Kunstledertaschen können heute noch von der Materialbeschaffenheit einwandfrei sein und den Schnäppchen-Kauf wert.  Schöner sind hingegen nach wie vor die Echtledertaschen, da sie mit der Zeit die für Leder übliche Patina ansetzen. Auf den Fotos der Internetauktionen oder Sofortkauf-Angebote lässt sich meistens der optische Erhaltungszustand gut erkennen. Was man allerdings nicht sieht, ist die Verstärkung der Tasche, die auch bei Ledertaschen oft aus Pappe besteht, die aufgrund des Alters an Stabilität verloren haben kann.

Es ist bei der Jagd nach antiken Handtaschen also immer auch etwas Glück im Spiel. Doch auch hier heißt es: Finger weg vom „Dachbodenfund“,  denn der muffige Geruch ist meist inklusive und macht die Tasche unbrauchbar. Und wenn die Handtasche erst einmal im Keller oder auf dem Dachboden Feuchtigkeit gezogen hat, ist die Taschenverstärkung aus Pappe meist hinüber. Bodenbrüche kommen aber auch häufig durch falsche Lagerung im Kleiderschrank zustande. Deshalb mach es bei mit Pappe verstärkten Handtaschen durchaus Sinn diese mit Zeitungspapier o.ä. bei Nichtnutzung zu befüllen, damit die Form erhalten bleibt. Hier ein Beispiel einer alten Wildleder-Handtasche deren Pappeinlage im Boden gebrochen ist. Im gefüllten Zustand fällt der „Bodenbruch“ hingegen kaum auf.- Glück gehabt.

Auch lässt sich auf den Fotos der im Internet angeboten echten Vintage-Taschen häufig nicht erkennen, wie die Handtaschen im gefüllten Zustand aussehen. So können die Taschen, die unbefüllt eher bieder wirken, gut bestückt durchaus eine moderne Form haben.

In Ruhe nach Vintage Taschen stöbern kann man sehr gut bei DaWanda*, dem wohl bekanntesten Marktplatz für kleine Händler, die im sogenannten eigenen Shop ihre Waren anbieten. Dort sind zum Festpreis sehr schöne
Vintage Handtaschen aller Art und auch Koffer* zu finden, die – wie ich meine – zum moderaten Preis angeboten werden.

Will man bei ebay nach Vintage-Schnäppchen suchen, macht es Sinn in verschiedenen Unter-Kategorien zu stöbern:

  •  ”Kleidung & Accessoires” – “Damentaschen*” (Artikelzustand “Gebraucht” filtern)
  •  ”Kleidung & Accessoires” – “Vintage-Mode” – “Vintage-Accessoires” – “Taschen & Koffer*” (Artikelzustand “Gebraucht” filtern)

Viel Spaß bei der Suche nach schönen Vintage-Taschen und viel Erfolg beim Finden!

Alle Fotos auf dieser Seite wurden aufgenommen mit der kleinen Digitalkamera: Canon PowerShot A2500*

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